Nein, ich spreche nicht von der Ejakulation des Mannes. Ich spreche von dem Danach. Von dem Moment, wo man seine Wohnung verlässt (oder er deine) und einen diese dunkle Ahnung befällt. Dieses wehmütige Gefühl, dieses irrationale Wissen, dass wenn man jetzt geht, es für immer ist. Es gibt kein Zurück. Kein Wiedersehen.
Dabei kann alles noch so schön gewesen sein, so intensiv, so hoffnungsvoll. Es bringt alles nichts, wenn er gekommen ist. Der Moment natürlich.
Die Frage aller Fragen lautet nun: Was löst den 'Point of no Return' aus und wie kann man ihn vermeiden?
De facto kann man sagen: Vorher war ein Mann interessiert, er hat sich regelmäßig gemeldet, er wollte einen sehen, er wollte einen kennenlernen, er hat sich bemüht. Und viel geredet. Redende Männer sind gefährlich. Und dann hat man sich hingegeben. (Das klingt so passiv - aber seien wir ehrlich - vom ersten Mal hat eine Frau selten was. Von daher passt es doch ganz gut.) Frau hat sich also hingegeben, hingerissen von dem Moment, sanft gebettet von den Worten des Mannes: die Nacht ist schön, die Nacht ist kurz - und dann kommt das Morgengrauen. Diese seltsame Fremdheit, die doch am Abend davor eigentlich aufgelöst wurde. Oder es zumindest sein sollte. Dieses seltsam zähe Gefühl der Unbeweglichkeit, der Wortlosigkeit, der Berühungsangst. Wie tapsige junge Hunde versucht man die Mauer des Fremden durch kleine Stubser zu druchdringen. Bis man feststellt, dass diese Mauer ein Spiegel ist und alles auf einen selbst zurück fällt. Betont lässig wird sich mit vertuschter Hast wieder angekleidet und sich mit salapp dahingeworfenen Floskeln Richtung Ausgang gerudert. Wir sitzen doch alle in unterschiedlichen Booten. Die kühle, distanzierte Verabschiedung wird mit betont geheuchelter, schmerzvoll hoffnungsvoller Herzlichkeit eingekleidet. Ein letzter Blick zurück, ein letzter Blick in die fremden schönen Marmoraugen und dann steht man schon mit einem Fuß auf der Schwelle und in diesem Moment des Übergangs bleibt die Zeit kurz stehen. Bis der 'Point of no Return' wie eine Welle über einem zusammenschwappt und man mit leerem Herzen schließlich auf der Straße steht.
Und dann geht man davon, in den gefühlten Nebel der Ungewissheit, wo das Zufallen der Wohnungstür einen wie ein Echo bis nach Hause begeleitet. Und wieder bleiben sämtliche Fragen unbeantwortet.